Klima-Atlas

Klima-Atlas: Litokne Kabua von den Marshallinseln

Litokne Kabua ist ein junger Klimaaktivist von den Marshallinseln, die im mittleren Ozeanien liegen. Seine Heimat bekommt die Auswirkungen der Klimakrise stark zu spüren. Die Marshallinseln liegen nur ein bis zwei Meter über dem Meeresspiegel, dessen Anstieg die Menschen auf den Inseln akut bedroht. Das Meer nimmt sich das Land zurück, der Platz wird knapp. Die Bewohner*innen der Inseln müssen ihre Lebensgewohnheiten rasch ändern, sterbende Korallenriffe sorgen dafür, dass immer weniger Fische gefangen werden. Und das ist noch nicht alles: Starke Hitzewellen und lange Dürreperioden führen zu Trinkwasserknappheit. In diesem Video kannst du sehen, wie diese Auswirkungen auf den Marshallinseln zu spüren sind.

c_Alara Günel

Ein Drittel der Insel-Bewohner*innen haben die Inseln bereits verlassen und sind in die USA ausgewandert. Das ist möglich, weil die Marshallinseln ein Assoziierungsabkommen mit der USA abgeschlossen haben. Das bedeutet, dass die USA die Inseln als Militärstützpunkte nutzen können und im Ausgleich für die Verteidigung der Inseln zuständig sind. Außerdem können Bürger*innen der zwei Länder ohne Visum im anderen Land leben. Deshalb ist es für Bürger*innen der Marshallinseln vergleichsweise unkompliziert in die USA auszuwandern. Doch wie kam es überhaupt zu dieser engen Beziehung zur USA?

Dafür müssen wir ein paar Jahunderte zurückreisen um uns die Kolonialgeschichte der Region anzuschauen. Deutsche Kaufleute ließen in den 1850er Jahren Kokosplantagen auf den Marshallinseln anbauen. 1885 wurden die Marshallinseln in das deutsche Kolonialgebiet eingegliedert. Im Ersten Weltkrieg fielen die Inseln an Japan, welches Militärstützpunkte errichtete und die Ausbeutung der Bewohner*innen weiterführte. Die USA übernahm zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Kontrolle über die Marshallinseln und verwalteten sie bis zur Unabhängigkeit 1986. In dieser Zeit nutzte die USA die Inseln für Atombombentests. Viele Menschen mussten evakuiert und umgesiedelt werden und bis heute gibt es in der Region hohe radioaktive Strahlung. Kurz zusammengefasst, sind die Marshallinseln seit mehr als 200 Jahren fremdem Einfluss ausgesetzt: von der Ausbeutung natürlicher Ressourcen durch das deutsche Kaiserreich, über die Militärpräsenz Japans bis zum heutigen Assoziierungsabkommen mit den USA.

Die Flagge der Marshallinseln

Doch nun zurück zu Litokne. Für ihn ist klar: Seine Heimatinseln tragen die Hauptlast der Klimakrise. Deshalb fängt Litokne an, in Schulen über die Klimakrise zu sprechen und Gleichgesinnte zu finden. Gemeinsam befreien sie die Inseln vom Müll und gehen von Haustür zu Haustür um über die Klimakrise ins Gespräch zu kommen. Auch wenn die Marshallinseln selbst wenig zur Erderwärmung beitragen, hält Litokne es trotzdem wichtig für Veränderung zu sorgen. Doch das reicht nicht, denn verantwortlich für den Klimawandel sind andere Länder.

“Vielleicht denken die großen Länder und Staatsoberhäupter großer Staaten, dass wir nutzlos sind, weil wir sehr klein sind? Vielleicht denken sie, dass wir zu klein sind um uns zuzuhören?

Litokne möchte, dass die Bedrohung der Inselstaaten Ernst genommen wird. Dafür streikt er 2019 in New York. Mit 14 anderen jungen Menschen unterschreibt Litokne 2019 eine 100 seitige rechtliche Beschwerde und legen sie dem Ausschuss der Vereinten Nationen für Kinderrechte vor. Sie argumentieren, dass die Länder Deutschland, Argentinien, Brasilien, Türkei und Frankreich nicht genug gegen die Klimakrise tun und deshalb Kinderrechte verletzen. Die Marshallinseln sind in der Petition gut vertreten: die Aktivisten Ranton Anjain und David Ackley III unterzeichnen ebenfalls. In den letzten Wochen haben wir auch zwei weitere Unterzeichnerinnen kennengelernt. Hier könnt ihr die Posts zu Ridhima Pandey und Ayakha Melithafa finden. In diesem Video stellen sich die jungen Aktivist*innen in ihren Muttersprachen vor.

Litokne hat Sorge, dass es seine Inseln bald nicht mehr geben wird. Doch auswandern möchte er nicht. Litokne will bleiben und für die Marshall-Inseln kämpfen, bis sein Anliegen auf globaler Ebene Gehör findet.

“Wenn wir heute etwas tun, werden wir den Klimawandel nicht aufhalten können, aber wir könnten es schaffen, dass wir alle ein gutes nachhaltiges Leben führen können.”

Danke für diesen Beitrag an Luise Buchenau!

Das war unser vorerst letzter Beitrag zum Klima-Atlas. Wie hat er euch gefallen? Hat euch Litokne inspiriert? Schreibt uns gerne eine Email oder bei Instagram.

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