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Klima-Atlas: Melisa Akkus

Melisa Akkus ist eine türkische Klimaaktivistin aus Istanbul. Sie ist 17 Jahre alt und geht dort auf ein Gymnasium. Sie setzt sich in der Fridays-for-Future-Bewegung und für LGBTQ+ Rechte in ihrer Heimat ein.

Melisa ist eine der Hauptbetreiber*innen des Instagram-Accounts: fffistanbul. und kämpft gemeinsam mit anderen Jugendlichen gegen die konservativen Ansichten des autoritären Systems. Für Ihr Engagement wurde sie sogar im Frauenmuseum Istanbuls im Rahmen der Ausstellung “Mädchen und die Klima-Krise“ präsentiert.

Bild: c_Alara Günel

Insbesondere steht für viele junge Türk*innen wie sie die Unterschreibung des Pariser Klimaabkommens im Vordergrund.

Wir sind die letzte Generation, die die Klimakrise stoppen kann.

Melisa Akkus

Die Türkei ist das einzige Land, welches das Pariser Abkommen noch nicht ratifiziert hat.

Die Problematik für die türkische Regierung liegt darin, dass nicht klar ist, ob die Türkei als Entwicklungsland oder als Industrieland eingestuft wird. Industrieländer müssen nämlich für den Klimaschutz selber zahlen, während Entwicklungsländer Geld erhalten.

Inzwischen haben sich 24 türkische Städte, entgegen dem Willen der Regierung, zum Pariser Klimaabkommen bekannt. Mit der Unterzeichnung des Abkommens sagen sie zu, Bereiche wie Landwirtschaft, Transport und Energieversorgung an die Erreichung des 1,5-Grad-Zieles anzupassen und somit die Emissionen zu senken.

Insgesamt jedoch befindet sich die Türkei noch weit weg vom 1,5-Grad-Ziel. Es werden rund 38 Prozent der Energie immer noch aus der Kohleverstromung bezogen und die pro Kopf-Emissionen steigen stetig.

Vielen Bürger*innen und auch Politiker*innen ist der Zusammenhang zwischen dem Wetter und dem Klimawandel gar nicht bekannt. Sie sehen nur, wie sich das Wetter in den letzten Jahren drastisch verändert hat, von stark zunehmenden Waldbränden über Dürren bis hin zu Sturmfluten und Überschwemmungen. Dies ist in erster Linie besonders problematisch für die Agrarwirtschaft, welche 6,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausmacht und insbesondere die ländlichen Regionen beeinflusst. Auf längere Sicht sind aber auch türkische Großstädte und Metropolen von den Folgen des Klimawandels, genauer dem steigenden Meeresspiegel betroffen. Insbesondere Istanbul liegt relativ tief und ist somit gefährdet und die Provinz hält rund 40 Prozent der gesamten Wirtschaftskraft des Landes. Wenn es hier zu Problemen kommt, betrifft dies die Wirtschaft der gesamten Türkei.

Da das Land keine präsente grüne Partei hat und der Staat seiner Aufgabe in diesem Bereich somit nicht nachkommt, liegt es umso mehr an der Bevölkerung, sich für den Klimaschutz einzusetzen. Durch die Fridays for Future Bewegung von Greta Thunberg hat der Klima-Aktivismus einen regelrechen Aufschwung erlebt.

Seit 2018 fanden mehrere große Demonstrationen und weitere Aktionen statt. Wobei nicht nur die mangelnden Klimaziele der Regierung thematisiert wurden, sondern zum Beispiel auch der Bau der dritten Bosporus-Brücke und des neuen Flughafens, wofür viele Hektar an Waldfläche gerodet wurden.

Projekte, die zur ökologischen Zerstörung beitragen, nehmen zu und wir müssen uns zusammentun, damit unsere Stimme laut genug ist. Die Klimabewegung ist neu für die Türkei, wir als junge Generation wollen gehört werden und dieses Gehör verschaffen wir uns mit Hilfe der FFF-Bewegung.

Melisa Akkus

Melisa ist Teil der FFF-Bewegung und hat den globalen Klimastreik am 3. April 2020 mit organisiert. Zusammen mit anderen Aktivist*innen haben sie aufgrund der Corona-Situation einen digitalen Streik auf die Beine gestellt und beworben. Der Streik begann mit einer Pressemitteilung und diversen Reden der Organisator*innen. Es konnten danach Fragen gestellt werden und Banner wurden in oder an den Wohnungen der Mitstreikenden aufgehängt. Mithilfe von Hashtag-Aktionen auf Instagram und Twitter wurde dann gemeinsam auf den Streik aufmerksam gemacht und somit über Social Media ein Druck auf die Regierung ausgeübt. Laut Melisa sollte mit dem digitalen Streik auch zum Ausdruck gebracht werden, dass die Klimaaktivist*innen trotz der Corona-Krise zusammenhalten und für ihre Ziele einstehen.

Melisa engagiert sich nicht nur im Kollektiv, sondern schreibt auch auf ihrem Blog Artikel zu aktuellen Klimathemen wie den australischen Buschfeuern, der zunehmenden Verschmutzung der Ozeane oder auch dem schon erwähnten Pariser Klimaabkommen. Sie hat außerhalb der Klimastreiks noch viele kleinere Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit organisiert, wie zum Beispiel eine Kleidertauschbörse als Protest gegen den Black Friday.

Auf ihrem Twitter-Account reagiert sie täglich auf Veränderungen in der Klimapolitik, kritisch zu sehende Projekte der Regierung und die Durchsetzung von LGTBQ+ Rechten.

Melisa sieht sich in der Verantwortung, für eine Zukunft zu sorgen, in welcher Lebewesen, Natur und Menschen gleich sind. Eine Zukunft in welcher den Menschen bewusst ist, was für Auswirkungen ihr Handeln auf die Erde hat. Eine Zukunft, in der auch künftige Generationen einen guten Lebensstandard haben und in Frieden miteinander leben können.

Wir arbeiten gemeinsam gegen die Klimakrise für Gleichheit, Frieden und Gerechtigkeit, unabhängig von Hautfarbe, Sprache, Religion oder Rasse.

Melisa Akkus

Wenn du möchtest, kannst du Melisa auf ihren Kanälen folgen und somit in ihrem Kampf für eine klimabewusstere Türkei und gegen das autoritäre Regime unterstützen.

Ist allerdings auf Türkisch 🙂

https://www.instagram.com/melisaakkuus/

https://twitter.com/melisaakkuus?lang=en

Danke für diesen Beitrag an Alara Günel!

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