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Mehrweg statt Einweg – Essen für Essen zu mehr Nachhaltigkeit

Einwegverpackung: Bald schon Geschichte?

Mehrweg klingt für viele sicher erstmal nach Mehraufwand. Doch Mehrweg kann in unserer Gesellschaft mehr sein als immer die eigene Tupperdose dabei zu haben. Sind wir mal ehrlich, wer hat schon immer Zeit, Platz und Geld, immer dutzende Dosen und Becher dabei zu haben? Hinzu kommt die Organisation: Wann esse ich was und welche Dosen muss ich dafür mitnehmen?

Wie wir nun aber schon lange auch wissen: Einwegverpackungen sind ein Problem und eine flächendeckende Lösung fehlt bisher. Die steigende Müll- und CO2-Produktion sprechen für sich. Der Klimawandel und die Zerstörung der Ökosysteme scheinen unausweichlich und vielleicht ist es an der Zeit, nicht nur Plastikstrohhalme und -tüten zu verbieten, sondern im Gastronomiesektor systematisch etwas zu verändern.

Antje Baum vom BUND Bremen arbeitet an genauso einem Projekt: “Essen in Mehrweg”. Mit ihr haben wir gesprochen.

Das Projekt versucht verschiedene Mehrwegsysteme in Bremen zu etablieren, derzeit nehmen ca. 20 Betriebe am Projekt teil.

Insgesamt lassen sich Mehrwegsysteme in zwei Kategorien einteilen:

  1. Individual-System: Kund*innen bringen ihr eigenes Behältnis mit, welches vom Betrieb vorschriftsgemäß befüllt wird.
  2. Poolsystem: Kund*innen können gegen ein Pfand Mehrwegbehälter leihen. Diese können beim nächsten Besuch gegen das Pfand oder einen Behälter zum erneuten Befüllen getauscht werden. Andere Systeme bieten Kund*innen die Möglichkeit, sich nach Registrierung bei einer kostenlosen App, Mehrwegbehälter durch das Vorzeigen des QR-Codes auszuleihen. Behälter können in teilnehmenden Betrieben zurückgegeben werden.

Vorteilhaft am Individualsystem ist, dass der Betrieb keine Kosten für Anschaffung und Reinigung hat und sich die Betriebsabläufe nicht wesentlich ändern. Auch zusätzlicher Lagerplatz wird nicht gebraucht. Dafür sind Poolsysteme für Kund*innen und Betriebe in manchen Fällen praktischer, da die Erfüllung von Hygienestandards in jedem Fall gewährleistet wird und immer Behälter vorhanden sind. Nutzen viele Betriebe das gleiche System und die Abgabe und Nutzung von Behältern ist vielerorts möglich, so wird Mehrweg immer attraktiver.

Für Betriebe, die über „Essen in Mehrweg“ ein Mehrwegsystem einführen wollen, stellt die Initiative sicher, dass für den Betrieb keine Mehrkosten bei der Einführung anfallen. Verglichen mit Einwegverpackungen sind Mehrwegsysteme nicht teurer, trotz des anfallenden Spülaufwandes.

Eine der häufigsten Unsicherheiten sowohl von Betrieben wie auch Kund*innen ist, ob Mehrweg überhaupt hygienisch praktiziert werden kann. Die Antwort hierauf ist: Auf jeden Fall!

Erst einmal untersagt kein Gesetz in Deutschland die Nutzung von Mehrwegsystemen. Das heißt, rechtlich gesehen stellt sich hier eigentlich kein Problem. Allerdings sind Hygienekonzepte für Mehrwegsysteme etwas aufwändiger als mit Einwegverpackungen, jedoch umsetzbar. Anstelle einfach jedes Mal eine neue Verpackung auszugeben, müssen die Behältnisse gründlich gespült und hygienisch gelagert werden. Bei Individualsystemen darf der Container nicht in Berührung mit den Speisen oder dem Arbeitsplatz kommen. Weshalb hierbei noch ein zusätzliches Konzept erforderlich ist. Oft wird hierbei ein Tablett benutzt, um den Kontakt zu Lebensmitteln und Arbeitsflächen zu vermeiden. Zudem müssen Kund*innen natürlich gesäuberte Behältnisse mitbringen.

Bei allen Systemen sollte darauf geachtet werden, dass bestimmte Arbeitsbereiche wie Fleisch und Gemüse räumlich gut voneinander getrennt werden und es gut sichtbar ausgehängt Informationen für die Arbeitsabläufe gibt.

Auch wenn dies jetzt für manche nach einer großen Veränderung aussehen mag, sind die Handgriffe im Endeffekt nahezu dieselben und eine Herausforderung liegt höchstens in der Unterweisung der Angestellten und der Gewöhnung an die neuen Arbeitsabläufe.

Alles in allem gibt es inzwischen viele gute Alternativen zu Einwegverpackungen in der Gastronomie. Schaut doch mal auf „Essen in Mehrweg“ vorbei, welche Betriebe Mehrwegsysteme bereits in Bremen anbieten und probiert es aus. Ansonsten reicht es natürlich auch, zu versuchen immer eine Tupperdose dabei zu haben.

Und wenn ihr euch fragt, welche Probleme dabei anfallen könnten, Mehrweg verbindlich einzuführen, seid schon mal gespannt auf unseren nächsten Artikel.

Vielen Dank an Antje, die mit uns über dieses Thema gesprochen hat,
und an Alara Günel für diesen Beitrag!


Ob Jutebeutel wirklich so nachhaltig sind wie ihr Ruf, könnt ihr hier nachlesen.

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